Olcay Özdemir im Interview2018-11-27T17:51:32+00:00

Wissenschaftskommunikation
Olcay Özdemir: „Es kommt immer auf die Geschichte an“

Claudia Kusebauch

Die Forschungsshow der Hochschule Harz hat in diesem Jahr einen prominenten Moderator: Olcay Özdemir. Als Reporter und Medien-Produzent für die Fernsehsendung „Galileo“ hat er schon von Problemen und Lösungen auf der ganzen Welt erzählt. Was ihn dabei antreibt und warum ihn die Forschungsshow in den Harz gezogen hat, erklärt er im Interview:

Olcay Özdemir bei einer Reportage in New York.

Herr Özdemir, für „Galileo“ schauen Sie hinter die Kulissen des weltgrößten Flughafens in Dubai, porträtieren das größte Beuteltier der Welt in Australien oder testen neuartige Shakes als Nahrungsersatz an sich selbst aus. Im Rahmen der Forschungsshow an der Hochschule Harz haben Sie mit den wahren Problemen – und Lösungen – der kleinen und mittelständischen Wirtschaft zu tun. Das ist ein riesiger Kontrast. Was hat Sie dazu bewegt, der Einladung nach Sachsen-Anhalt zu folgen?

Ich fühle mich sehr geehrt, zur Forschungsshow am 29.11. eingeladen zu sein und freue mich umso mehr, wenn der Tag schon näher rückt. Im Auftrag von ProSiebenSat.1 und Galileo habe ich Geschichten aus der ganzen Welt und verschiedenen Kulturen innovativ erzählen und mit meinem Zuschauer teilen dürfen. Geschichten von Menschen, die mit geringen Möglichkeiten, aber großen Träumen, etwas Einzigartiges schaffen. Mein Ziel als Reporter und Produzent ist es, nicht nur diese Geschichten zu finden und wiederzugeben, sondern meine Zuschauer damit zu inspirieren, das zu tun, was sie inspiriert. Ich möchte damit Beispiele geben, dass Ideen nicht nur im Kopf bleiben, sondern realisiert werden sollen. Das gelingt mir bei manchen Beiträgen besser als bei anderen.
So ist es umso spannender, die Probleme und Herausforderungen in der deutschen Wirtschaft sich anzuschauen. Ohne ein Problem keine Fragestellung und somit keine Lösungsfindung. Bei „Galileo“ begleiten wir genau diesen Prozess der Lösungsfindung. Unsere Protagonisten müssen oftmals eine große Herausforderung überwinden, was im Laufe des Beitrages mitverfolgt wird.

Der Protagonist macht Fehler oder wird mit neuen unerwarteten Hindernissen überrascht. Es ist dann nicht mehr so wichtig, ob der Protagonist ans Ziel kommt, sondern wie er diese Hindernisse meistert und was sie oder er daraus lernt. In der Wirtschaft ist das so ähnlich.
Ich habe die Einladung angenommen, weil ich selber in einer ständig wechselnden Branche arbeite und man jeden Tag auf dem neuesten Stand sein muss. Das was gestern aktuell war, ist heute schon wieder alt. Meine Berichterstattung ist dank der digitalen Entwicklung zum einen schneller, effektiver und dynamischer geworden. Zum anderen brechen große Mengen an Fernsehzuschauern durch die Stärke der Video-on-Demand-Plattformen ein. Jedes neue Hindernis bringt seine Gefahren mit sich, aber es entstehen auch neue Möglichkeiten dadurch. Ich möchte Beispiele aus meiner Erfahrung als internationaler Medienproduzent geben und besonders unsere Gäste bei der Forschungsshow begeistern, an ihre Ideen zu glauben und diese zu realisieren. Egal wie groß auch das Hindernis sein mag.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für oder gegen ein Thema?

Die „Galileo“-Zuschauer sind erwachsen geworden. Die Sendung war ein Begleiter in der Kindheit und Jugend. Die kindliche Neugier ist noch da und wichtig, aber gleichzeitig wollen sie auch relevantere, erwachsenere Themen haben, die sie rational ansprechen. Jeder Beitrag sollte nah am Alltag des Zuschauers und relevant für sie oder ihn sein.
Angenommen, wir würden Sie gern für einen Beitrag über eines unserer Projekte gewinnen. Was müssten wir beachten?
Das kommt auf immer auf die Geschichte an. Wir erzeugen Neugier und sind sehr nah am Menschen dran. In jedem Beitrag stellen wir klare Fragen und geben eine klare Antwort. Es ist sehr wichtig, Folgendes zu beachten: Was bewegt den Zuschauer? Warum bewegt es ihn jetzt? Was nimmt der Zuschauer für sein Leben mit diesem Beitrag mit?

Sie haben bereits weltweit beobachtet, wie Menschen mit Technik leben und arbeiten – unter anderem in Shanghai und China. Was können wir in Deutschland von anderen lernen?

Ich habe in Shanghai und China für mehr als 2 Jahre gelebt, wo die technologische Entwicklung der in Tokyo sehr ähnlich ist. In Shanghai habe ich das Gefühl gehabt, 10 Jahre voraus in der Zukunft zu leben. Eine Stadt mit fast 25 Millionen Menschen, in der es unglaublich sicher und friedlich hergeht. Die Autobahn verläuft auf Säulen gebauten Straßen über der Stadt, ein über 600 km gefächertes Metronetz, eine Pflicht von 100% Elektrorollern auf den Straßen, Elektroautos mit Induktionsparkflächen und eine Gesellschaft, in der Bargeld der Vergangenheit angehört. Das geht so weit, dass ein 75-jähriger Nudelverkäufer auf der Straße oder ein Bettler, von denen es nicht viele gibt, Geld über QR-Codes statt Bargeld wollen. Natürlich hat dies seine Vor- und Nachteile, worüber ich mich schon freue, bei der Forschungsshow dieses Jahr zu sprechen.

Herr Özdemir, vielen Dank!